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Organspende

33 GRAFIK 3. August 2012 DIE ZEIT N° 35 167 Organspende Wie Niere und Herz vom Spender zum Empfänger kommen – und welche Lücken das System aufweist Krankenhaus SPENDER Montag, 8 Uhr: Ein Patient mit schwerer Himschädigung wird auf die Intensivstation eingeliefert. Die Ārzte versuchen alles, um sein Leben zu retten. Bis zu sieben Menschen kann durch die Organe nur eines Spenders geholfen werden. Im Jahr 2011 wurden in 2 Mittwoch, 8.00 Uhr: Deutschland rund 1200 Menschen nach ihrem Tod zu Die Ārzte vermuten, dass der Hirntod eingetreten ist. Ein Krankenhaus- mitarbeiter meldet der regionalen Organisa tionszentrale der Deutschen Siftung Organtransplantation (DSO), dass es einen möglichen Organspender gibt. In acht Bundesländer dafür vom jeweiligen Krankenhaus emannte Transplantationsbeauftragte. Der in der DSO-Region zuständige Koordinator bespricht mit der Klinik das weitere Vorgehen. Organspen dern. Nur zechn Prozent der möglichen Spender hatten einen ausgefüllten Organspendeausweis. THEMA: ORGANE gibt Spendebereitschaft 2012 Ist Ihre persönliche Bereitschaft zur Organspende durch den aktuellen Organspendeskandal gesunken? (August 2012) 3% Weiß nicht DSO Die Themen der 21 % Ja letzten Grafiken: 76% Nein 166 Grüne Gentechnik 3 Mittwoch, 8.30 Uhr: Zwei Fachärzte (meist Neurologen), die mit der Transplantation und der Spende DSO 165 Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert die Organspenden innerhalb Deutschlands – von der Meldung eines möglichen Spenders bis zur Übergabe der Organe. Sie arbeitet mit rund 50 Transplantationszentren und etwa 1400 Krankenhäusern zusam men, die Alpengestein nichts zu tun haben, diagnostizieren den Hirntod nach den Richtlinien der Koordinator 164 Bundesärztekammer. Ist der irreversible Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen nach- Geteilte Inseln gewiesen, wird die Totenbescheinigung ausgestellt. Weitere Grafiken im Internet: eine Intensivstation haben. Mittwoch, 20.30 Uhr: www.zcit.de/grafik Der behandelnde Arzt teilt den Angehörigen den Hirntod mit. Dann besprechen er und der Koordinator mit ihnen, welche Einstellung der Verstorbene zur Organspende hatte. Besaß er einen Spenderausweis, gilt dieser wie ein Testament. Liegt kein Ausweis vor, entscheiden die Angehörigen nach mutmaßlichem Willen oder eigenen Wertvorstellungen. Arzt 5 Mittwoch, 23.30 Uhr: Ist eine Einwilligung erfolgt, sorgt der Koordinator dafür, dass der Spender auf eventuelle Vorerkrankungen untersucht wird, um den Empfänger vor einer möglichen Über- tragung zu schützen. Die Daten der Organe, Laborwerte wie die Blu tgruppe, aber auch Gewicht und Alter werden an die Stiftung Eurotransplant übermittelt. In der Kritik: Die Warteliste Das Organspendeverfahren ist in Verruf geraten. In Regensburg und Göttingen waren Krankenakten gefälscht worden, um Patien ten auf der Warteliste höher zu plarzieren. Angehörige Sie bekamen ein Organ, obwohl sie nicht an der Reihe waren. EUROTRANSPLANT Gefordert: Verstärkte Kontrollen Die Stiftung Eumtransplant mit Sitz im niederländischen Leiden koordiniert Organspenden für sicben Länder: Deutschland, Kroatien, Österreich, Slowenien und die drei Beneluxstaaten. Der Anteil an Spendern pro eine Million Einwohner variiert dabei enorm, In Deutschland ist die Spendebereitschaft vergleichsweise gering - curopäischen Poal spenden. Das Mehraugenprinzip (Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip) soll künftig Manipulationen der Warteliste ver- hindern. Ein unabhängiger Mediziner könnte den Gesundheitszustand eines potenzidlen Empfängers überprüfen, bevor dessen Daten zur Einordnung auf der Warteliste an Eurmotransplant geschickt werden. Auch sind unangemeldete Kontollen in den Transplantationszentren geplant. bekommen mehr Organe, als wir in den Donnerstag, 3.30 Uhr: Eurotransplant ermittelt den am besten passenden Empfänger auf der Warteliste mithilfe eines Computerprogramms. Die wichtigsten Kriterien sind Erfolgsaussichten TRANSPLANTATIONSZENTRUM (potenzieller Empfänger) Netto-Organ-Exporteur ausgeglichen und Dringlichkeit. Das zuständige Trans- plantationszentrum wird informiert und erhält das Organangebot. Falls es ablehnt, geht das Angebot an das Zentrum mit dem nächsten Spender auf der Liste. Netto-Organ-Importeur In der Kritik: Der Sonderfall Das »beschlunigte Vermittlungsverfahren tritt in Kraft, wenn drei Zentren (fünf im Fall einer Niere) das Angebot eines Organs aus medizinischen Grūnden abgelehnt haben. Solche schwer vemittelbaren Organe stammen zum Beispiel von sehr alten Spendern, Eumtransplant fragt dann erneut in der näheren Region des Spenders an. Die Zentren müssen sich danach nicht mehr nach der Reihenfolge auf der Warte Donnerstag, 5.30 Uhr: Der Koordinator organisiert die Entnahmeteams sowie den Transport der Organe zur entsprechenden Transplantationsklinik, wo schon der Empfänger wartet. Belgiend Zentren: 8 Spender: 29,3 Niederlande . Österreich Zentren: 10 Zentren: 4 liste richten. Das Problem: Die Ausnahmen Spender: 13,3* Spender. 23,2* scheinen heute fast die Regel zu sein. Im Jahr 2011 sind jedes viertes Herz und fast jede zweite Bauchspeichekdrüse auf diese Weise direkt vermittelt worden. Luxembu rg Slowenien Zentren: 1 Zentren: 1 Spender: 17,6 Spender: 15,1 Deutschland Zentren: 46 HUMAN ORGAN Kroatien Zentren: 5 Spender:. 14,4* Spender: 33,6 * pro eine Million Einwohner EMPFÄNGER 2011 erhielten in Deutschland 3841 Menschen gespendete Organe. Auf der deutschen Warteliste stehen jedoch rund Gefordert: Prüfberich te 11 Nach sechs Wochen: 12 000 Personen. Auf eine Niere wartet ein 10 Donnerstag, 22.30 Uhr Die DSO wird über den Ausgang der Transplantation informiert, die Daten Noch fehlt es der Transplantationsmedizin an Qualitätssicherung, Zwar liefert die O Collaborative Transplant Study (CIS) der Universität Heidelberg wichtige Erkenntnisse (Funktionsdauer des Organs). Doch viele Fragen bleiben unbeantwortet. Experten fondem daher, dass über Prüfberichte eine wissenschaftlich fundierte Gnundlage für Organspenden geschaffen wird. Die Berichte sollen, soweit es der Daten- schutz erlaubt, äffentlich zugänglich sein. Wünschen die Angehörigen des Spenders Kontakt, schreibt der Koordinator einen Dankesbrief und informiert sie über die Mensch im Durchschnitt fünf Jahre, auf ein Herz oder eine Leber 6 bis 24 Monate. 8 Donnerstag, 7.30 Uhr: Nach erfolgreicher Vermittlung werden die Organe in einer zwei- bis vierstündigen Operation entnommen und mit Eis in die Transportbox gepackt. Je nach Entfernung wird das Organ dann per Auto, Helikopter oder Flugzeug zum Empfänger gebracht. Transplantation. Auch der Empfänger kann fließen in die aktuellen Statistiken zur sich an die Hinterbliebenen wenden – Organspende in Deutschland ein. allerdings nur anon ym über die DSO. Transplantationszentrum 9 Donnerstag, 12.30 Uhr: Das Organ trifft in einem der 46 Trans- plantationszentren in Deutschland ein. Der Empfänger liegt bereits in Narkose. Koordinator Empfänger Illustration: Simone Gödecke Was wird transplantiert? Transplantationen in Deutschland (ohne Lebendspenden, 2011) Bedarf Zeitfenster Fünf-Jahres-Funktionsrate Recherche: Organ (erste Transplantation weltweit) an Organen in Deutschland (Stand 31.12.2011) Haltbarkeit des Organs nach Entnahme (in Stunden) der Organe nach Transplantation (in Prozent) Alina Schadwinkel, Laura Hennemann Niere (1954) 7873 71,1 Quellen: DSO; Eurotransplant; Forsa; organspende- ausweis.org; Stern Leber (1967) 21 19 1128 52,4 Herz (1967) 1039 366 65,5 Lunge (1963) 606 337 51,1 Bauchspeicheldrüse (1966) 282 171 67,7 Zahlen von 2011, wenn nicht anders Dünndarm (1987) keine Angaben keine Angaben angegeben

Organspende

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How does the organ achieves the reciever? Which points must comply with the conditions?

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Die Zeit

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